Effizientere Vereinsverwaltung aus der Cloud

Für mittelgroße Vereine hat partner4media eine Cloud-basierte Verwaltungslösung erstellt. Mit der Cloud-Plattform Progress Rollbase konnte das Software-Haus den Aufwand für die Softwareentwicklung drastisch reduzieren: Im Vergleich zu einer konventionellen Entwicklungsumgebung wurde lediglich ein Fünftel der Zeit benötigt. [...]

Die Applikationsentwicklung, wie sie unabhängige Softwarehersteller (ISVs, Independent Software Vendors) seit Jahrzehnten betrieben haben, steht vor einem Wandel. Viele haben in den 1990er-Jahren mit einer branchenspezifischen Standardlösung begonnen und ihre Software nach und nach funktional verfeinert und erweitert. Diese Lösungen waren in einen festen Entwicklungszyklus eingespannt: Im Verlauf eines Kalenderjahres gab es kleinere Updates und Bugfixes, und alle zwei bis drei Jahre folgten neue Produktversionen. Die Anwender installierten solche Anwendungen auf ihren eigenen Servern und ersetzten diese Systeme nach fünf bis sieben Jahren durch leistungsfähigere Modelle.

Derartige Standardsoftware ist mittlerweile so weit ausgereift, dass die Anwender nur noch spezielle punktuelle Ergänzungen und Neuerungen nachfragen. Die ISVs vermarkten weiterhin ihre Standardlösungen an Interessenten und versuchen darüber hinaus, in den angestammten Branchen neue Kundensegmente zu erschließen. Wie die Produkte sind auch die Märkte gereift.

IT-RESSOURCEN AUS DER CLOUD
Zu diesem etablierten Modell von Software- und Hardware-Erneuerung gibt es seit einiger Zeit eine Alternative. Immer mehr Unternehmen stellen IT-Ressourcen, sei es CPU-Leistung, Speicherkapazität oder auch eine CRM-Applikation nicht mehr selbst in einem eigenen Rechenzentrum bereit, sondern beziehen sie ganz oder teilweise aus der Cloud. Bei branchenspezifischer Standardsoftware ist dieses Vorgehen bislang eher die Ausnahme. Zwar wird in Ausschreibungen die Cloud-Option immer wieder gefordert; ob die spätere Lösung dann auch tatsächlich in der Cloud betrieben wird, steht auf einem anderen Blatt.

Diese Erfahrungen hat auch das Software-Haus partner4media, das Lösungen für CRM, Verlage und Medienunternehmen sowie den Versandhandel entwickelt, gemacht. „Unsere Branchensoftware war von Haus aus lange Zeit nicht Cloud-fähig, das heißt, sie konnte nicht nach dem Software-as-a-Service-Modell bereitgestellt werden“, erläutert Wolfgang Vitovec, Geschäftsführer von partner4media in Klosterneuburg bei Wien. „In einigen Fällen hat dies dazu geführt, dass wir bei Ausschreibungen nicht zum Zuge kamen. Auch wenn in der Verlagsbranche erst eine sporadische Nachfrage nach Software-as-a-Service-Lösungen zu verzeichnen ist, haben wir dies dennoch zum Anlass genommen, uns eingehend mit Cloud-Software zu befassen.“

Das Software-as-a-Service (SaaS)-Modell ist einer der zentralen Cloud-Services und bietet ISVs sowie kleinen und mittleren Softwarehäusern vielfältige Möglichkeiten, neue Kunden und Marktsegmente zu erschließen. Im Frühjahr 2014 evaluierte partner4media verschiedene Marktsegmente und entschied sich schließlich dafür, eine Cloud-Lösung für Vereine aufzusetzen. „Auf der einen Seite gibt es kostenlose Software für kleine Vereine und auf der anderen Seite die professionellen und entsprechend teuren Lösungen für Vereine mit Hunderten oder Tausenden von Mitgliedern“, berichtet Vitovec. „Dazwischen klafft eine Lücke und mit dem Funktionsangebot, das unsere Rollbase-basierende Vereins-Applikation bietet, stellt sie für kleine und mittelgroße Vereine ein interessantes Angebot dar. Hier bietet die Cloud die passende Alternative: Sport-, Musik-, Kultur- oder Naturschutzvereine müssen keine umfangeichen Investitionen in Computer oder Software tätigen, sondern zahlen monatliche Abo-Gebühren für eine professionelle Lösung.“

RAPID-APPLICATION-DEVELOPMENT FÜR DIE CLOUD
Gleichzeitig mit der Weichenstellung in Richtung Cloud Computing hatte partner4media im Rahmen eines Programmierwettbewerbs die Gelegenheit, mit der Rapid-Application-Development-Lösung Progress Rollbase eine SaaS-Anwendung zu erstellen. Progress Rollbase verbindet zwei zentrale Ziele der Applikationsentwicklung: Die Rapid-Application-Development (RAD)-Plattform ist erstens sehr einfach zu bedienen und sie ermöglicht zweitens die schnelle und sichere Entwicklung einer Cloud-Applikation; sie bot sich damit als Werkzeug für die neue Aufgabenstellung an.

„In nur vier Personentagen haben wir mit Progress Rollbase einen ersten Prototyp der neuen Cloud-Club-Applikation erstellt; das entspricht etwa einem Fünftel des Programmieraufwands, den wir in vergleichbaren Projekten kalkulieren müssen“, sagt Vitovec. „Der größte Teil der Tätigkeiten ließ sich per Drag-and-Drop erledigen, nur rund 10 Prozent erforderten echten Programmcode. Dadurch reduziert sich die Entwicklungszeit ganz drastisch.“ Die Entwickler konnten sich so auf das eigentliche Ziel der Software aus Sicht des späteren Anwenders konzentrieren und mussten sich nicht um die Designdetails der Software kümmern.

Nicht nur die Entwickler bei den ISVs profitieren von Progress Rollbase, sondern auch die Anwender der auf diese Weise erstellten Applikation – in dem Fall die Verantwortlichen in den Vereinen. Vorsitzende, Schriftführer und Kassierer müssen sich dann nicht regelmäßig im Vereinslokal zu Vorstandssitzungen treffen, sondern können ortsunabhängig per Browser die Cloud-Club-Applikation nutzen. Alle wichtigen Unterlagen stehen für die Berechtigten in einem Portal jederzeit bereit. Die Vorstände können Dokumente, Listen und Veranstaltungspläne gemeinsam und sicher in der Cloud bearbeiten. Kommunikationswege, Abstimmungen und Entscheidungen werden damit beschleunigt.

Der im Sommer 2014 fertiggestellte Prototyp der Cloud-Club-Applikation wurde aufgrund des Feedbacks von Betatestern aus Vereinen weiterentwickelt und ist seit Ende 2014 produktiv in einer Private Cloud im Einsatz. Individuelle Anpassungen und Änderungen für verschiedene Arten von Vereinen können die Entwickler von parter4media sehr einfach mit den Drag-and-Drop-Funktionen von Progress Rollbase vornehmen, so dass die Lösung problemlos aktualisiert werden kann. Da es sich um eine Cloud-Basierte-Applikation handelt, sind die Anwender in solche Updates überhaupt nicht involviert.

„Gerade weil wir mit der Cloud-Club-Applikation und einem neuen Ansatz zusätzliche Kundensegmente erschließen wollen, ist es wichtig, dass die zugrundeliegende Technologie zuverlässig und weitgehend wartungsfrei arbeitet“, erläutert Dr. Vitovec. „Progress unterstützt die unabhängigen Softwarehersteller bei der Entwicklung von Cloud-Applikationen vorbildlich und hilft ihnen so, ihre Produktivität zu steigern und Wettbewerbsvorteile zu realisieren. Die schnelle und einfache Entwicklung bietet darüber hinaus die Möglichkeit, uns neben der Standardsoftware für Verlage ein weiteres Standbein im Bereich der Individual-Software zu er-schließen.“
 
* Jürgen Wasem-Gutensohn ist Redakteur bei der Beratungsgesellschaft für strategische Kommunikation PR-COM in München.


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