Internet-TV: Seher schauen anders, aber nicht mehr

Selbst bei Nutzern, die an einem Wochenende ganze Serienstaffeln auf einmal konsumieren, führt Internet-TV nicht dazu, dass sie mehr fernsehen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie im "Journal of Cultural Economics". Demnach verändert sich eher, welche TV-Inhalte die Menschen konsumieren und wie - ein Vorteil. "Weil das Internet zusätzliche Programmauswahl gebracht hat, haben Seher mehr Vergnügen", erklärt Alejandro Zentner, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der University of Texas in Dallas (UT Dallas). [...]

„Manche Medienberichte sagen voraus, dass Menschen mehr Fernsehen werden, weil sie jetzt sehen können, was sie wollen und wann sie wollen“, sagt Stan Liebowitz, ebenfalls Professor für Betriebswirtschaftslehre an der UT Dallas. Dem widersprechen er und Zentner nun. Um abzuschätzen, wie sich Internet-TV auswirken wird, haben sie analysiert, welche Veränderungen der Übergang von Rundfunk-Fernsehen zu Kabel-TV mit sich gebracht hat. Ein Kernpunkt der Ergebnisse ist, dass ein Tag nun einmal nur 24 Stunden hat – nur, weil es mehr Programmvielfalt gibt, haben die Menschen also nicht gleich mehr Zeit zum Fernsehen.

Dafür sollte Internet-TV letztlich dazu führen, dass Seher mehr Spaß am Fernsehen haben. „Zusätzliche Programmauswahl legt nahe, dass die Leute eher eine TV-Show finden werden, die ihren Geschmack gut trifft“, erklärt Zentner. Dazu komme, dass Seher mit Internet-Angeboten oft die Möglichkeit hätten, ihre Lieblingsserien genau dann zu schauen, wenn sie Zeit und Lust haben. Dazu zählt auch die Möglichkeit des sogenannten „Binge Watching“, also Marathon-Sitzungen mit ganzen Serienstaffeln, durchaus auch bis zum Umfallen.

Selbst Binge Watcher dürften aber insgesamt nicht mehr fernsehen als früher, betont Liebowitz. Da Programmvielfalt somit keine Auswirkungen auf die Gesamtsehzeiten hat, sollten auch On-Demand-Anbieter nicht auf zusätzliche Einnahmen durch steigenden TV-Konsum hoffen, so die Wissenschaftler. Wirtschaftlich gesehen seien somit Abo-Modelle wie jenes von Netflix sinnvoller als Angebote, die auf – letztlich von Seherzahlen abhängige – Anzeigeneinnahmen setzen. Das hat der Markt im Prinzip schon bestätigt: Das ursprünglich rein anzeigenfinanzierte Videoportal Hulu hat schon 2010 ein Bezahlmodell eingeführt. (pte)


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