Professionalisierung der Cyberkriminalität in 2024

Drei Prognosen und Handlungsempfehlungen, die CISOs kennen sollten. [...]

Thorben Jändling, Principal Solutions Architect in der Global Security Specialist Group bei Elastic (Foto: Elastic)

Illegale Handelsplätze bieten längst nicht mehr nur gestohlene Daten an. Vielmehr werden mittlerweile Malware as a Service (MaaS), Ransomware as a Service (RaaS) und Tools gehandelt. Die Auswertung von mehr als 1 Milliarde Datenpunkten aus privaten und öffentlichen Telemetriedaten über 12 Monate hinweg zeigt deutlich, dass es eine kriminelle Open-Source-Community gibt und Malware-as-a-Service (MaaS) aktiv als Dienstleistung gehandelt wird.

Die Elastic Security Labs prognostizieren drei wesentliche Trends und geben Handlungsempfehlungen, wie die CISOs ihre eigene Organisation noch besser davor schützen können.

Prognose 1: Angreifer setzen auf Open Source

Open-Source-Software bietet oft Vorteile wie Qualitätssicherung durch eine engagierte Entwicklergemeinschaft und kostengünstigen Zugriff auf erprobte Software. Die Untersuchungen des r77-Rootkit und JOKERSPY sind nur zwei Beispiele dafür, dass auch Bedrohungsakteure diese Vorteile nutzen. Auch die Analyse im Rahmen des aktuellen Global Threat Reports zeigen, dass Bedrohungsakteure Open-Source-Software nutzen, um möglichst einfach in die Cyberkriminalität einzusteigen.

Unternehmen sollten daher die direkten Downloads von Code-Sharing-Websites im Auge behalten, da diese auch von bösartigen Akteuren genutzt werden. Überwachung, Erkennung und Host-basierte Präventionswerkzeuge sind von größter Bedeutung, ebenso wie klare Richtlinien und Regeln für den Umgang mit jedem Software-Ökosystem – ob offen oder nicht.

Mithilfe des maschinellen Lernens lässt sich das übliche Nutzungsverhalten innerhalb des Unternehmens identifizieren, um das Sicherheitsteam im Falle einer Anomalie zu alarmieren, zum Beispiel beim Download eines PowerShell-Skripts mit ungewöhnlichen Merkmalen (Inhalt, Speicherort oder Name).

Prognose 2: MaaS schließt Wissens- und Produktlücken

Neben Open-Source-Software nutzen Angreifer auch Malware-as-a-Service (MaaS), um die eigenen Wissens- und Produktlücken zu schließen. Ein deutliches Signal dafür ist die Beliebtheit von Ransomware-as-a-Service.

Böswillige MaaS-Unternehmen werden ihre Portfolios diversifizieren, um den Käufern eine größere Auswahl zu bieten. Die Angreifer selbst, die MaaS nutzen, werden sich auf Verschleierungs- und Maskierungstechniken verlassen.

Bei der Auswertung der Bedrohungsdaten zeigt sich, dass im Untersuchungszeitraum des Global Threat Reports bereits fünf Ransomware-Familien (BlackCat, Conti, Hive, Sodinokibi und Stop) für rund 81 Prozent aller Ransomware-Aktivitäten verantwortlich waren. Die Verteidiger in den Organisationen sollten sich deshalb besonders mit dominanten Malware-Familien vertraut machen, um ihre Verteidigung aufzubauen – jedoch hat MaaS kurze Entwicklungszyklen.

Deshalb sind Sensoren an den Endpoints entscheidend, die prozessübergreifende Verhaltensweisen, Interaktionen mit dem Dateisystem und Netzwerkdaten erfassen. Diese Informationen helfen dabei, neue Bedrohungen und Verhaltensweisen bekannter Malware-Familien aufzudecken.

Prognose 3: Mehr Manipulation und weniger Maskierung

Da sie mit immer widerstandsfähigeren Umgebungen konfrontiert werden, versuchen die Angreifer immer häufiger, Sicherheitssensoren zu deaktivieren oder anderweitig zu manipulieren. Zusammen betrachtet gehen mehr als 70 Prozent aller Endpoint-Alerts auf Execution- und Defense-Evasion-Operationen zurück.

Außerhalb der Analyse des Global Threat Report hat Elastic auch eine Zunahme von Angriffen durch Betriebssystem-Designfehler wie Bring Your Own Vulnerable Driver (BYOVD) beobachtet. Dabei werden der Malware signierte Treiber mit einer oder mehreren Schwachstellen beigelegt, die in den Kernel geladen und dann ausgenutzt werden können.

Als Reaktion darauf sollten Unternehmen sich einen Überblick über die Manipulationssicherheit ihrer Endpoint-Security-Sensoren verschaffen. Monitoring-Projekte wie „Living off the Land“-Treiber können ihnen dabei helfen, anfällige Gerätetreiber aufzuspüren, die von Angreifern genutzt werden können, um Sicherheitstechnologien zu kompromittieren.

*Thorben Jändling ist Principal Solutions Architect in der Global Security Specialist Group bei Elastic


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