Studie: S/4HANA-Transformation überfordert oft Organisationen

Eine Untersuchung der Migrationspläne deutscher Unternehmen durch techconsult und Camelot Innovative Technologies Lab zeigt, dass hohe Erwartungen häufig auf einen Mangel an Informationen und Ressourcen, intern wie extern, treffen, die für die Transformation dringend benötigt werden. [...]

Zu den zentralen Herausforderungen der Unternehmen für die Migration zählen, neben den fehlenden internen Ressourcen, vor allem eine ungenügende Informationsbasis sowie unzureichende Hilfsleistungen. (c) Unsplash
Zu den zentralen Herausforderungen der Unternehmen für die Migration zählen, neben den fehlenden internen Ressourcen, vor allem eine ungenügende Informationsbasis sowie unzureichende Hilfsleistungen. (c) Unsplash

Von 200 befragten Unternehmen planen zwar 85 Prozent eine S/4HANA-Transformation in den nächsten drei Jahren, allerdings gab knapp die Hälfte der Unternehmen an, schon jetzt nicht ausreichend Zeit für die Vorbereitung der Transformation zu haben. Die größte Herausforderung: der Einbezug aller Geschäftsbereiche und Stakeholder. Das steht dem Wunsch entgegen, mit der Transformation eine übergreifende Automatisierung von Prozessen, ein Auflösen von Datensilos und eine Performance-Optimierung des Gesamtsystems zu erreichen.

Transparenz und eine umfassende Informationsbasis sind Mangelware

Zu den zentralen Herausforderungen der Unternehmen für die Migration zählen, neben den fehlenden internen Ressourcen, vor allem eine ungenügende Informationsbasis sowie unzureichende Hilfsleistungen, die für die Transformation benötigt werden und das Bedürfnis nach individuellen Beratungs- und Unterstützungsleistungen immer stärker werden lassen. Unternehmen können aber nur dann rechtzeitig strategische Entscheidungen treffen, wenn die Informationsbasis dafür ausreichend abgedeckt ist. 90 Prozent der befragten Unternehmen haben nach eigenen Angaben für die Umsetzung der Transformationen nicht ausreichend Informationen und Hilfseistungen zur Verfügung, zum Beispiel zu Ziel- und Vorgehensmodellen oder den Gesamtkosten. Dabei wünschen sich die Befragten mehr Überblick über die Kosten und Best Practices. Angesichts des zu erwartenden hohen Bedarfs an externer Unterstützung durch Beratungs- und Implementierungspartner müssen vor allem mittelständische Unternehmen mit Engpässen auch in diesem Bereich rechnen.

„Expertenberatung im Cloud-Umfeld wird aktuell bereits sehr stark nachgefragt. Unsere Prognose: spätestens im Sommer 2022 wird es zu Überhitzungstendenzen kommen. Das heißt, Unternehmen, die spät mit der S/4HANA-Transformation starten, könnten dann das Nachsehen haben“, so die Einschätzung von Josef Packowski, CEO der CAMELOT Consulting Group.

Mit der Cloud hin zum Standard

Wichtige Grundsatzenzscheidungen im Rahmen der Transformation sind die Wahl des passenden Migrationsansatzes und des Deployment-Modells. Hier zeigt sich ein signifikanter Wandel: Vor wenigen Jahren noch war der Brownfield-Ansatz das Mittel der Wahl, heute plant die Mehrzahl der Unternehmen, auf den Greenfield-Ansatz zu setzen. Der Wunsch, weg von schweren, historisch gewachsenen Eigenlösungen zu kommen und trotz Individualisierungen nahe am Standard zu bleiben, zeigt sich auch in der Cloud-first-Strategie vieler Unternehmen: 71 Prozent planen auf eine Public-, Private- oder Hybrid-Cloud-Strategie zu setzen.

Change Management als weiterer Stolperstein

Im Rahmen ihrer S/4HANA-Migration haben Unternehmen sehr konkret ausformulierte Wünsche an die Transformation, besonders im Kontext der Geschäftsprozesse in den Fachabteilungen. IT, Fachabteilungen und Unternehmensführung sind gleichermaßen vom Wandel betroffen und sollten sich frühzeitig darauf einstellen können. Dennoch haben 26 Prozent der befragten Unternehmen das Thema Change Management nicht in ihrer Planung verankert und sind insbesondere in den Fachbereichen nicht ausreichend vorbereitet. „Auffällig dabei ist, dass Unternehmen die Entscheidungen zur Transformation zumeist auf Management-Ebene treffen, doch nach der Initiative der Geschäftsführung und der Einbindung der IT die Bedürfnisse sowie Herausforderungen der betroffenen Stakeholder und Entscheidungsträger in den Geschäftsbereichen selten oder viel zu spät berücksichtigen.“, so Waldemar Klassen, Analyst bei der techconsult.


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