»Wir zeigen, was KI leisten kann«

Seit 1999 bei SAP, leitet Christian Klein seit 2019 das Unternehmen – anfangs gemeinsam mit Jennifer Morgan, seit 2020 alleine. Anfang Mai 2024 wurde er vom Vorstandssprecher zum Vorstandsvorsitzenden befördert und ist mit 44 Jahren der jüngste Vorstandschef eines Dax-Konzerns. Unter seiner Führung spielen die Cloud und zunehmend auch KI eine wichtige Rolle für SAP. [...]

Ein sichtlich gut gelaunter Christian Klein, Vorstandsvorsitzender von SAP SE, eröffnete die SAPPHIRE in Barcelona mit einer kurzweiligen Keynote. (c) SAP SE
Ein sichtlich gut gelaunter Christian Klein, Vorstandsvorsitzender von SAP SE, eröffnete die SAPPHIRE in Barcelona mit einer kurzweiligen Keynote. (c) SAP SE

Wie können Sie Ihren Kunden eine zuverlässige und sichere KI garantieren, wenn Sie so viele verschiedene KI-Modelle integrieren, die unterschiedliche Standards hinsichtlich Trainingsdaten verfolgen?

Christian Klein: Egal ob Sie Open AI Chat GPT oder Google Gemini, das neueste Entropik oder jetzt Mistral AI verwenden – bei uns gibt es keine Urheberrechtsverletzungen, weil wir der KI nur dann erlauben, Daten zu trainieren, wenn die Kunden uns ihre Zustimmung geben. Es sind immer noch die Daten des Kunden, egal ob sie in der Cloud liegen oder nicht. Zudem integrieren wir diese Large Language Models (LLM) auch in unsere Autorisierungsschicht, um sicherzustellen, dass die Endnutzer nur das sehen, was sie sehen dürfen. Die Kunden haben auch die Wahl, ob die Daten in ein Azure-, OpenAI- oder SAP-Rechenzentrum kommen.

Wir betreiben Datenzentren in vielen Ländern der EU und stellen so sicher, dass Kundendaten zum Beispiel in Spanien, Deutschland oder in Frankreich bleiben, wenn Kunden das wollen. Hier möchte ich auf das aus Frankreich stammende Mistral AI verweisen, wo das LLM zu 100 Prozent in Europa betrieben werden kann.

Erhöht sich für SAP nicht die Komplexität, indem Sie all diese verschiedenen KIs anbieten?
Nicht wirklich. Natürlich investieren wir etwas Geld in die Erstellung dieser Module, aber das ist keine große Investition. Für einige unserer Anwendungsfälle funktioniert GPT 4 am besten, für andere ist es wiederum Mistral AI. Wir können also das beste Large Language Model für unsere Anwendungsfälle anbieten. Die Kunden lieben diese Flexibilität. Denn wer sagt denn, dass OpenAI in zwei Jahren immer noch führend ist.

Glauben Sie, dass Unternehmen aus Sicherheits- oder anderen Gründen lieber ihre eigenen Foundation Models oder LLMs bevorzugen anstatt jene der bekannten Anbieter zu verwenden?

Wir können auch LLMs der Kunden integrieren. Wir wissen, dass einige Kunden in regulierten Branchen – in der Verteidigungsindustrie und im öffentlichen Sektor – die Verlagerung ihrer Daten in ein öffentliches Cloud-Rechenzentrum ablehnen. Sie wollen die Daten bei sich behalten, und das können wir gewährleisten.

Wie wollen Sie KI für den Rest Ihrer Kunden verfügbar machen?

Es ist ganz wichtig, darüber zu sprechen, was KI leisten kann und geichzeitig aufzuzeigen, dass Kunden bereits jetzt KI annehmen und nutzen. Speziell geschulte Mitarbeiter gehen zu allen unseren Cloud-Kunden und erklären ihnen Joule sowie unsere Embedded-KI-Anwendungsfälle, um sicherzustellen, dass sie diese Technologie auch Nutzen bringend einsetzen. Dabei ist es nicht so, dass man viel machen muss, da die Technologie sehr eng in unser Produkt integriert ist. Wir gehen trotzdem zu den Kunden, denn es reicht nicht aus, nur darüber zu reden – die Kunden müssen KI auch nutzen. Und da sind wir auf einem sehr guten Weg. Wir haben mehr als 6.000 RISE-Kunden, die Joule und eingebettete KI übernehmen können. Wir haben über tausend GROW-Kunden und wir haben natürlich noch viele weitere Tausende SuccessFactors-Kunden.

Insgesamt haben wir rund 27.000 Kunden, die KI nutzen. Das umfasst auch traditionelle KI wie maschinelles Lernen usw. und wir haben über tausend, die auch unsere GenAI-Anwendungsfälle nutzen. Die Technik ist da, man kann sie innerhalb eines Tages aktivieren. Es gibt keine Hürde. Sie brauchen keinen Partner, um sie zu implementieren.

In Bezug auf vertrauenswürdige KI werden die meisten Gesetze in der Europäischen Union erlassen. Arbeitet SAP hier mit den Gesetzgebern zusammen?

Ja. Hier muss ich der EU beim AI Act Anerkennung zollen. Das Ergebnis ist ziemlich gut, obwohl anfänglich viel über Regulierung der Technologie gesprochen wurde. Aber der Schwerpunkt sollte nicht auf Regulierung liegen, sondern darauf, europäische Unternehmen bei ihren Innovationsbestrebungen zu unterstützen. Was man jedoch regulieren muss, ist das durch KI erzielte Ergebnis – damit KI das Richtige für unsere Gesellschaft tut, für die Menschen, die sie nutzen, für die Unternehmen, die sie einsetzen. Man sollte also niemals die Technologie regulieren, denn sonst werden die europäischen Unternehmen gegenüber den USA, China und Asien ins Hintertreffen geraten. Man muss aber sicherstellen, dass KI auf eine gute Art und Weise basierend auf unseren europäischen Standards und Werten für die Gesellschaft angewandt wird. Das macht der EU AI Act jetzt – und dazu haben wir stark beigetragen.

Wie arbeiten Joule und WalkMe zusammen?

Manchmal ist es nicht einfach herauszufinden, wie man Geschäftsprozesse am effizientesten ablaufen lässt. Mit WalkMe haben Sie einen Guide, der durch das gesamte SAP-System führt und z.B. bei der Erstellung eines Kundenauftrags oder einer Rechnung hilft. Der Endbenutzer muss das nicht selbst herausfinden oder lernen. Zudem können wir mit KI und Joule auch proaktive Empfehlungen geben, wie man unser Produkt noch besser nutzen kann.


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